16.01.12
Dresdens erster Nachkriegsbürgermeister Walter Weidauer schrieb in seinem im Jahre 1983 verfassten Buch „Inferno Dresden“, das er selbst erlebt hatte:
Der Plan der Bombardierung Dresdens sah einen dreifachen Schlag vor: zwei schwere Nachtangriffe der Bomberverbände der britischen Royal Air Force und einen schweren Tagesangriff von US-Bombern. Zwischen dem ersten und dem zweiten Nachtangriff sollten nicht mehr als 3 Stunden liegen und beim 2. Angriff sollten hauptsächlich Sprengbomben abgeworfen werden, um möglichst viele der an den Lösch- und Rettungsarbeiten teilnehmenden Menschen zu töten und den Flüchtenden den Weg aus der Stadt zu verlegen. Ein wahrhaft diabolischer Plan.
Da dieser barbarische Akt den Protest der fortschrittlichen Kräfte in aller Welt hervorrief, versuchten die herrschenden Kreise der USA und Englands, die Schuld abzuwälzen.
Am 11. Februar wurde vom State Department der USA eine Erklärung abgegeben, nach der angeblich die vernichtende Bombardierung Dresdens in Übereinstimmung mit den sowjetischen Forderungen, die Unterstützung ihrer Truppen durch Luftstreitkräfte zu verstärken, durchgeführt und mit den sowjetischen Organen vorher abgesprochen wurde.
Dabei wurden niemals und nirgends Dokumente für den Beweis dieses Hirngespinstes angeführt. Im Gegenteil. Aus den Protokollen der Sitzungen der amerikanischen und britischen Stabchefs in Malta wie auch in Jalta geht eindeutig hervor, dass sie nach Protesten auf russischer Seite auf keinen Fall an ein Übereinkommen mit der Sowjetunion gebunden sein wollten, wenn sie mittel- und ostdeutsche Städte in Schutt und Asche legten!
Der Oberkommandierende der 1. Ukrainischen Front, Marschall I. Konew schrieb dem Autor dazu einen Brief, in dem er versicherte:
„Ich kann mit aller Verantwortung erklären, dass die Bombardierung und die Zerstörung Dresdens im Februar 1945 keinerlei Beziehung zu den Aktionen der sowjetischen Truppen hatte. Die barbarische Zerstörung der Stadt bedeutete keinerlei Unterstützung für unsere Truppen auch in der späteren Zeit, als wir unmittelbar an den Stadtrand Dresdens vorrückten, denn Dresden war keine Festung, und in ihm gab es keine besonders wichtigen industriellen oder militärischen Objekte oder irgendwie bedeutende faschistische Truppen. Die Stadt war zu dieser Zeit mit Flüchtlingen überfüllt. Dresden hatte folglich nicht die militärische, politische und ökonomische Bedeutung, die seine Zerstörung erfordert hätte.“
Das sowjetische Oberkommando wurde zur Verschleierung der Absichten der westlichen Alliierten im Falle Dresdens sogar regelrecht betrogen. Nachweisbar wurde dem Generalstab der Sowjetarmee am 12. Februar 1945 vom Leiter der Luftwaffenabteilung der amerikanischen Militärmission in Moskau, Generalmajor Edmund W. Hill, mitgeteilt, dass die 8. Luftflotte am 13. Februar die Rangierbahnhöfe in Dresden und Chemnitz angreifen würde. Wegen ungünstigen Wetters musste dieser Angriff verschoben werden.
Der Zeitzeuge Gerd Hommel schreibt über das Flammeninferno von Dresden:
Ich selbst habe die Bombennacht und den Feuersturm erlebt und überlebt. Ich habe neben dem Rüstungsbetrieb Sachsenwerk gewohnt und hätte nicht die Angst ausstehen müssen. Keiner der Rüstungsbetriebe wurde dem Erdboden gleichgemacht, wohl aber die Innenstadt mit ihrem historischen Stadtkern, der Arbeiterwohnstadtteil Johannstadt und andere Zentren zivilen Lebens wie das Gebiet der Prager Straße.
Eine andere Zeitzeugin, Christa Nikusch, damals 12 Jahre, erlebte die Bombenangriffe auf Dresden wie folgt:
Beim Bombenangriff war ich im Zirkus Sarasani, einem 12-Mastenzelt. Dieses Zirkuszelt ist ebenfalls bombardiert worden. Ich hatte das Glück, dicht am Ausgang zu sitzen. In Panik lief ich in Richtung Schule an der Elbe, die mittlerweile als Lazarett diente. Da auch dieses schließlich bombardiert wurde, setzte ich mich unter eine Trauerweide am Ufer der Elbe. Dort erlebte ich auch den 2. Bombenangriff auf die Stadt. Eine Zirkusreiterin, die wie ich den Angriff überlebt hatte, tränkte dort gerade einige Pferde. Den 2. Angriff überlebten weder sie, noch ihre Tiere. Angesichts der Vielzahl an abgeworfenen Brandbomben kochte die Elbe fast, so dass die Menschen, die in ihren an den Körpern brennenden Kleidern dorthin geflüchtet waren, auch dort der Hitze nicht entkommen konnten. Vor Erschöpfung bin ich schließlich eingeschlafen, als ich nach einigen Stunden erneut Flugzeugdonner über mir hörte. Diesmal kamen Tiefflieger und mähten alles, was sich bewegte, nieder. Meine älteren Geschwister halfen nach den Bombardements bei den tagelangen Aufräumungsarbeiten und Verbrennungen der Leichen auf dem Dresdener Altmarkt mit. Meine Familie, die wie ich das Inferno von Dresden überlebt hatte, weiß, dass bei den viel später vorgenommenen Zählungen der Toten, die Zahl der bei den Bombardements in den Luftschutzkellern der Häuser verbrannten Menschen lediglich geschätzt werden konnte.
Aus diesem Anlass finden sich jährlich am 13. Februar Menschen aus ganz Deutschland und Europa zu einem Gedenkmarsch zusammen, um an die Toten von Dresden - die 1945 im Bombenhagel der kriegslüsternen Westmächte gnadenlos dahingemordet wurden - zu erinnern. Alle weiteren Einzelheiten und Auskünfte rund um die Veranstaltung findet ihr unter www.gedenkmarsch.de

"Wer das Weinen verlernt hat, der lernt es wieder beim Untergang Dresdens. Dieser heitere Morgenstern der Jugend hat bisher der Welt geleuchtet. Ich weiß, dass in England und Amerika gute Geister genug vorhanden sind, denen das göttliche Licht der Sixtinischen Madonna nicht fremd war und die von dem Erlöschen dieses Sternes allertiefst schmerzlich getroffen weinen. Und ich habe den Untergang Dresdens unter den Sodom- und Gomorrha-Höllen der englischen und amerikanischen Flugzeuge persönlich erlebt ... Ich stehe am Ausgangsort des Lebens und beneide alle meine toten Geisteskameraden, denen dieses Erlebnis erspart geblieben ist." - Gerhart Hauptmann